Drei Frühlingsgedichte

 

BAD IM LICHT

 

liegen auf der erde
ist verschmelzen
mit dem schnee
der von gestern ist
der nicht mehr ist

 

licht regnet
nichts als licht
so weit das auge reicht
licht bis hin
wo hügel graublau ruhen

 

noch sind die äste kahl
der boden knistert
dürres laub vom letzten herbst
ich wandle wie im rausch

 

die sonne hat mich geknetet
bin weich wie wachs
die sonne hat mich gebacken
bin hart wie holz
ich bin

 

 

FRÜHLINGSFRÜHE

 

schon beinahe morgen
gerade noch nacht
das melatonin wirkt nach
vernebelt den sinn
verschleiert den zweck
nur weiterschlafen

 

ein erstes auto
zieht seines wegs
sein brummen ritzt furchen
in den nassen asphalt
bote der unlust
nur weiterschlafen

 

doch durch mein fenster
strömt ein hauch
von grüner vorgeburt
und es ertönt die flöte
zauberhaft
von einem schwarzen engel
frühling! frühling!
das grosse erwachen

 

 

GESTERN

 

frisch grünende wiese
am trägen fluss
ein boot schlummert
im uferschilf

 

ich sitze im zug
gefangen
in der fliehkraft
brause vorbei

 

und denke zurück
an frühling vor jahren
als die zeit mir lächelte
die pfade blühten
lang lang ists her
es war gestern