Ode an einen Baum

 

GINKGO

 

Die monumentalen Scheiben der Kantine
blähen sich wie Segel im Wind.
Eine Hundehütte schimmelt vor sich hin.
Pfiff der Eisenbahn –
schräger Schnitt durch die Luft.
Aus dem grauen Plastikkübel
räuchelt süsser Seifendunst.
Es dämmert es eilt.
Die Fenster müssen bald sauber sein.

 

Man pflanzte ihn mitten in den Hof
des Glaspalästchens
träge umgafft
von Essern Trinkern und Rauchern.
Sie hocken drinnen
unter der blauen Blechquadratdecke
und wissen weder woher noch wohin.
Unter ihren Kunststoffstühlen
pulsen die Wurzeladern des Baums.

 

Wenn der Mond sich emporschraubt
und im Fahrradkeller dem dunklen
der Lehrling zum ersten Mal
den strotzenden Brüsten
der Lehrtochter schmeichelt
da kichert er leise vor sich hin
der Ginkgobaum.
Sattes Gold und zuckende Flamme.