Lömärs chly la tschädärä

Jitz müässämär äuä ufhörä mit lafärä u ändläch no chly ga bädälä bi derä Hitz. Was ist das? Finnisch? Leider nein. Es ist Neohelvetofinnisch. Wie es zu dieser schriftlichen Verhunzung des Berndeutschen kam, ist mir ein Rätsel. Es geschah vermutlich schleichend seit dem Auftreten dieses musizierenden Püetzers namens Gölä. Wenn der sich schon so schreibt, muss man wohl den häufig vorkommenden, aber schwer zu fassenden Dialektlaut, der noch offener als ein offenes e klingt und mehr ausgehaucht denn ausgesprochen wird, als ä schreiben, dachten sich viele und begannen, die klassisch berndeutschen «Eltere» (Eltern) als «Eutärä» zu verballhornen. So umfassend, bis sich der Berner Dialekt las und liest wie krasses Barbarisch.

 

Nun, man darf. Man darf im Berndeutschen ja alles. Da gibt es keinen Duden, der dem Falschschreiber mit der unbedingten Autorität einer Standardfibel auf die Finger klopft. Es gibt zwar den «Bietenhard von Greyerz», aber unseren munteren Dialektprosaisten ist dieses eigentlich verbindlich gemeinte Wörterbuch herzlich und herzhaft egal. Sie schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und wie ihnen gerade der Finger zuckt – und der zuckt zuweilen in eine sonderbar unmusikalische Richtung. Zum Beispiel in Richtung ä, das im besten Fall an näselndes Schafsgeblöke und im schlimmsten Fall an würgende Brechlaute erinnert.

 

Klar, manchmal gehört da wirklich ein ä hin - nämlich da, wo man tatsächlich ä sagt: Ätti, äuä, äbe. Es ist zuallererst eine Frage des richtigen Hinhörens. Und zweitens eine Frage des richtigen Hinschauens. Deshalb meine dringende Bitte an alle, die der schönen Berner Mundart auch in der schriftlichen Form huldigen: Denkt daran, huldigen heisst nicht hudeln. Hört gut hin und achtet auf das Schriftbild, auf die Ästhetik der aneinandergereihten Buchstaben. Schriftliches Berndeutsch, das aus einem Sperrfeuer aus yy («lyysli schlyyche») und ä (ä Puosä machä unä Mockä Chäs habärä) besteht, ist nicht mehr heimelig. Es ist unheimelig. Diese Unheimlichkeit tilgt man am besten, indem man wieder zum guten alten Schriftdeutsch zurückkehrt.